"Die Betonung der Einfachheit"
Die Idee zu diesem Projekt begann an einem dieser „Bilderbuch – Spätherbsttage“ des letzten Jahres zu reifen. Für die Jahreszeit war es angenehm warm, die Sonne ließ die Weinblätter in voller Pracht leuchten, es war ein wunderbarer Tag in den Weinbergen. Bis zum Sonnenuntergang war noch ausreichend Zeit, um diese Augenblicke zu genießen.
Während ich die Veränderungen der Landschaft durch das immer weicher werdende Licht beobachtete, fiel mir ein Zoom-Vortrag eines Tierfotografen ein, den ich mir unlängst anhörte. Stefan Gerrits beschrieb darin seinen Zugang zu seiner (Tier)-Fotografie, die von Minimalismus und Reduktion geprägt ist. Sehr häufig verwendet er dabei „High-Key“ bzw. „Low-Key“ Techniken. Ein wunderschöner und brillanter Zugang. Nach weiteren Meetings mit Stefan begann ich darüber nachzudenken, ob es auch hier, in den Weinbergen, möglich wäre, diese Technik auszuprobieren.
Die Antwort darauf erhielt ich schon ein paar Tage später durch die Natur.
Wir hatten heuer einen außergewöhnlich intensiven Winter. Seit Jahren fiel wieder einmal richtig viel Schnee, der auch lange liegen blieb, es herrschten kalte Temperaturen und es gab jede Menge Nebel! Im Dezember und Jänner hatten wir mehrere Phasen, wo bis zu 14 Tage am Stück extremer Nebel herrschte und keinerlei Sonnenlicht. Ein Wetter, das wahrlich auf das Gemüt schlägt. Ich war wohl einer der wenigen Menschen, die diese Zeit so richtig genossen haben. Ich nutzte so ziemlich jeden Tag und ging hinaus in diese langweile und monotone „Suppe aus Grau“, um zu sehen, ob und wie sich meine Idee umsetzen ließ. Rund um die Weinberge herrschte völlige Stille, niemand war zu sehen. Eine zu Beginn sehr befremdliche Stimmung, die ich jedoch von Tag zu Tag mehr schätzen lernte.
Meine Ausflüge konzentrierten sich auf die Reduktion dieser sonst so üppigen Landschaft.
„Wie kann ich etwas reduzieren, um es interessanter zu machen?“
Diese und ähnliche Fragen waren mein ständiger Begleiter. Der vorhandene Nebel war mein verlässlichster Partner. Er sorgte dafür, dass Hintergründe gänzlich verschwanden und somit die Möglichkeit bestand, die Aufmerksamkeit auf ein Minimum zu konzentrieren. Der reichlich vorhandene Schnee deckte den Boden ab und verbarg zusätzliche Ablenkungen.
„Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung“ Leonardo da Vinci
Ich entwickelte eine regelrechte Begeisterung für dieses Wetter.
Die Bilder, die dabei entstanden, begannen mir zu gefallen. Sie gaben mir eine gänzlich neue Möglichkeit, die Schönheit der südsteirischen Weinberge wahrzunehmen. Die Reduktion auf Einfachheit und Minimalismus brachte mich zu folgenden Gedanken:
„Weniger ist nicht Reduktion, es ist Betonung“
Bei einer kritischen Betrachtung dieser Bilder mag sich vielleicht die Frage nach einer „Realitätsfremdheit“ aufdrängen. Oftmals kommt hier der Begriff „Fake“ ins Spiel und es entsteht eine Diskussion über die Art und Intensität der Bilderbearbeitung.
Ich sage mit diesen Bildern nicht: „so schaut die Südsteiermark aus“, ich sage lediglich: „so habe ich die Südsteiermark gesehen“. Und so liegt es im Auge des Betrachters, die Bilder in einem künstlerischen Kontext und wohl eher weiter entfernt eines dokumentarischen Geschmackes zu sehen.
Ich bin der Inspiration von Stefan Gerrits (die Bilder auf seiner Homepage zu betrachten, sind absolut empfehlenswert!) UND der Natur in Form von Nebel und Schnee zutiefst dankbar.
Damit erhält der Winter eine gebührende Verabschiedung. Jetzt steht der Frühling vor der Tür. Zeit, sich anderen Projekten zu widmen. Dieses wird mich jedoch auf jeden Fall weiter begleiten und inspirieren.














